entsetzt habe ich von Euer beider Vorhaben gelesen, die Vorratsdatenspeicherung wieder einführen zu wollen.

Sabine, Du möchtest bald jede Internetverbindung in Deutschland erfassen. Aufschreiben, wer wann welche Internetseite aufgerufen / gelesen hat, was sie oder er dort kommentiert hat, ob eine Datei herauf- oder heruntergeladen wurde und was für eine Datei das gewesen ist. Du weißt vermutlich inzwischen, daß jeglicher Datenverkehr aus winzig kleinen Dateien besteht. Das ist praktisch, denn so kannst Du einfach alles erfassen, was so durch die Anschlußdosen deutscher Internetanschlüsse fließt. Du möchtest ganz genau wissen, wer wann welche IP benutzt hat. Das ist ja noch viel praktischer, denn so hebst Du gleich jede Anonymität auf. Unbeobachtet eine eMail-Adresse registrieren, das kann man sich dann sparen, spätestens bei ihrer Nutzung erfährst Du, wer dort tippt. Wenn Du z. B. diesen Brief nicht magst, kannst Du nachschauen, wessen Blog das hier ist, ohne beim Hoster in den USA nachfragen zu müssen, wem er gehört, Du zwingst einfach meinen Internetanbieter, Dir das zu sagen. Du wirst immer sieben Tage lang nachschauen können, wer wann was gelesen, geschrieben, gespielt, gekauft, genutzt hat. Du wirst wissen, wer wann wo gewesen ist und was er mutmaßlich dort gemacht hat, solange er nur ein Smartphone bei sich getragen hat. Und bestimmt ist es interessant für Dich zu erfahren, was mir so gefällt und wo ich meinen Interessen nachgehe. Nein, um all diese Daten in Erfahrung zu bringen braucht es nicht mal einen Richter, der dies abnickt. Kann einfach jeder herausbekommen, wenn er nur quengelig genug auftritt. Rante ich einmal zu hart, weil mir eine Laus über die Leber gelaufen ist, und fühlt sich irgendjemand davon geärgert, so reicht Dir das. Habe ich vielleicht mal ein Musikstück heruntergeladen, ein einziges, weil es so alt ist, daß es nicht mehr zum Kauf angeboten wird, so bekommst Du es mit. Das hast Du Dir gut ausgedacht.

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Liebevolle Inhalte

Persönliche Eindrücke vom Bundesparteitag 2011.1

Heidenheim an der Brenz. Wo? – Ach, #dings oder #bings (einigen scheint auch die Verwechslung mit Bingen gelungen sein). Ein hübsches Städtchen an der württembergisch-bayerischen Grenze, ein architektonisch umwerfend schönes Congress-Centrum sind Schauplatz des BPT2011.1; zu Gast 789 (meine ich mich zu erinnern?) akkreditierte Piraten; zudem Anhänger, Sympathisanten, Gäste, ein Bürgermeister, Presse. Standesgemäß und wie gewohnt zu Beginn nicht vorhandenes bis katastrophales (Inter-)Netz. Aber wo bliebe der Spaß, wenn gleich alles funktionieren würde. Eigentlich sollte es ein bezüglich seines Ablaufes recht überschaubarer Bundesparteitag werden. Quälend lange dauernde Vorstandswahlen, zu mehr würde es wohl mangels Zeit eh nicht kommen. Und wenn alles schiefliefe, gäbe es vielleicht immerhin ein Zusammentreffen mit den in den letzten 16 Monaten liebgewonnenen Piraten aus der ganzen Republik. Gesichter und bürgerliche Namen ihren Avataren und Nicks zuordnen, wie an jedem Parteitag: Großfamilie (das ist in meinen Augen das beste und ein auch objektiv betrachtet wesentliches Argument für Strapazen und gegen dezentrale Parteitage. Wir dürfen nicht das Offlinenetzwerken verlernen oder gar vergessen).

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Heute vor 20 Jahren. Meine Heimat ist eine verschlafene Kleinstadt. Und die Welt noch in Ordnung. Sonnig ist es, wirklich ein schöner Spätsommertag.

Ich bin 15, ganz aufgeregt. Die Stadthalle platzt aus allen Nähten. Ich kenne mich gut aus, wie oft bin ich mit meinen Eltern zu Konzerten hier gewesen. Diesmal ist es aber anders, ich habe mich aufs Fahrrad geschwungen, extra ein (aus heutiger Sicht wirklich fürchterliches) Sakko angezogen, schließlich ist heute ein wichtiger Tag, den ich nicht verpassen wollte, und Berlin ist wirklich zu weit weg. Ich würde hier über meine Lehrer fallen, über die Kleinstadtlobby aus Apothekern, Gymnasiumsrektoren und Pelz- oder Buchhändlern, und natürlich der ganzen Dorfprominenz begegnen. Auch wenn ich wild pubertiere, ich muß mich benehmen, man weiß, wer meine Eltern sind, und natürlich werde ich auf sie angesprochen werden. Ein wenig lästige Pflicht erfüllen, um dem großen Moment beizuwohnen. Ich will erleben, wie sich ein vereinigtes Deutschland an seinem ersten Tag anfühlt; ich bin sicher, daß man dabei etwas spüren muß.

File:Bundesarchiv Bild 183-1990-1003-012, Berlin, Unter den Linden, Vereinigungsfeier.jpg

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